Orakel von Delphi

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Stein der Pythia

Delphi war bis in die Spätantike eine der bedeutendsten Kultstätten. Den Mittelpunkt stellte der sogenannte Omphalos ('Nabel') dar, ein Stein innerhalb des Apollon-Tempels.

Das Orakel von Delphi hatte seinen Namen zu Ehren der Delphyne, der Gattin des Python, den Apollon tötete. Nach der Überlieferung waren am Eingang des Tempels von Delphi die Inschriften Erkenne dich selbst (gnôthi seautón, γνῶθι σεαυτόν) und nichts im Übermaß (μηδὲν ἄγαν, medèn ágan) angebracht.

Delphischer Schemel

Orakel

Anfangs gab das Orakel von Delphi nur einmal im Jahr am Geburtstag des Apollon Auskunft, dem siebten Tag des Monats Bysios, später am siebten Tag jedes Monats im Sommer.
Im Winter legte es für drei Monate eine Pause ein, das Apollon sich nach griechischer Vorstellung in dieser Zeit bei den Hyperboreern aufhielt, einem sagenumwobenen Volk im Norden.

Magischer Nebel am alten Apollon - Tempel in Delphi

Das Orakel wurde währenddessen von Dionysos regiert.

Pythia

In Delphi saß die erwählte Pythia auf einem dreibeinigen Sitz über einer Erdspalte, aus der Dämpfe, d.h. hallizunigene Gase, aufstiegen. Es konnte geologisch aber nur eine Erdverwerfung nachgewiesen werden.
Nach Plutarchos strömt das Gas außer durch den Boden auch durch das Wasser der heiligen Quellen und ist, wie das Wort pneàma überhaupt oft einen abstrakten Sinn hat, eine göttliche Kraft, die dem Ort innewohnt.

Nach der Bibliothek des Apollodor gab ursprünglich die Göttin der Gerechtigkeit Themis die Orakel am Parnass, und Python war der Wächter des heiligen Bezirks.

Orestes kniet am Omphalos - links der delphische Schemel

Die begüterten Klienten wurden individuell beraten und bekamen ausführliche, wenn auch oft rätselhafte Antworten. Die Ärmeren mussten mit einem Binärorakel (Ja-Nein-Orakel) vorliebnehmen, und sie durften deshalb nur solche Fragen stellen, die sich mit Ja oder Nein beantworten ließen. Die Pythia griff dann in ein Gefäß mit weißen und schwarzen Bohnen und nahm eine von ihnen heraus: Weiß bedeutete Ja, schwarz Nein.

Delphische Maximen

Die Sophrosyne-Ethik wurde in den delphischen Maximen der berühmten Sieben Weisen am Apollon-Tempel in Delphi festgehalten.

Omphhalos

Omphalos im delphischen Museum

Im Adyton des Apollon-Tempels in Delphi stand der Omphalos (griech.: „ὀμφαλός“, ÑmfalÒj „Nabel“) - Kultstein, der ursprünglich Gaia gewidmet war. Nach der Legende stellt der Omphalos den Stein dar, den Rhea in Windeln gewickelt hatte und so tat, als wäre er Zeus, um Kronos zu täuschen.
Der von Apollon getötete Python soll unter dem Omphalos-Stein begraben worden sein...
Der Omphalos war mit Wollgirlanden ('Agrenon') überzogen und markierte den 'Nabel der Welt'. Eine Marmorkopie des Steins befindet sich noch heute im Archäologischen Museum von Delphi.
Ähnliche Kultsteine lassen sich in mehreren Kulturen nachweisen bis hin zu Shivas nur ähnlichem Ashta-Lingam.
Die Verehrer Apollons riefen ihn als im 'Mittelpunkt der Erde' befindlich an. Eine Erdmitte Hara gibt es auch im Zen.

Literatur

Omphalos - Schale
  • Thomas Dempsey: The Delphic oracle. Its early history, influence and fall. Blom, New York 1972 (Nachdruck der Ausgabe Oxford 1918).
  • Joseph Fontenrose: The Delphic Oracle. Its Responses and Operations. With a Catalogue of Responses. University of California Press, Berkeley, Calif. 1978, ISBN 0-520-03360-4.
  • Omens and Oracles: Divination in Ancient Greece, Matthew Dillon
  • Erwin Rohde, Psyche, 2 Bde., Leipzig 1890–1894 (Archive).

Weblinks