Gichtel

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Gichtel : Irdischer Mensch

Johann Georg Gichtel (1638-1719) war ein Mystiker und Anhänger Jakob Böhmes sowie Erstherausgeber der Werke Böhmes. Er entwickelte Böhmes Vorstellungen in mehreren Schriften weiter. Nach einem abgebrochenen Theologiestudium sutudierte er Jura. Durch seinen Kontakt mit Baron Justinianus von Weltz verlor er bald alles weltliche Interesse. Wegen seiner Attacken auf die lutherische Kirche wurde er konfisziert(1665) und verbannt.

1667 wanderte Gichtel in die Niederlande aus. Wegen seiner Verbindungen zum dortigen Friedrich Breckling (1629–1711) verbrachte er einige Jahre im Gefängnis und ließ sich dann in Amsterdam nieder. Dort versammelte er die 'Brüder des engelhaften Lebens', die sich später auf einen Orden des Melchizedek beriefen.

Gichtel verfügte auch über hermetisches Wissen. Er setzte z.B. Chakras in Beziehung zu den Planetensphären (siehe Bild):

  1. Scheitelchakra - Saturn - 1000 Blätter
  2. Stirnchakra - Jupiter - 2 Blätter
  3. Halschakra - Mars - 16 Blätter
  4. Herzchakra - Sonne - 12 Blätter
  5. Nabelchakra - Venus - 10 Blätter
  6. Sakralchakra - Merkur - 6 Blätter
  7. Wurzelchakra - Mond - 4 Blätter

Gichtels Vorstellung war, Gott wohne in der Seele des Gläubigen. Daher lehnte er im Gegensatz zu Jakob Böhme jedes äußere Kirchentum ab und hatte eine exklusive Gottesbeziehung.

Gichtel verwarf den Ehestand und forderte sexuelle Askese, da der wahre Christ allein mit der himmlischen Sophia vermählt sei.

Seiner Ansicht nach man solle allein auf den Gott in uns hören und sich nicht um die Bedürfnisse des Lebens bekümmern, was Arbeitsscheu und Zerwürfnisse in den betroffenen holländischen Familien der Gichtelianer(Engelsbrüder) hervorrief.


Werk

Gichtels 'Theosophia practica' ( Halten und Kämpfen des Lebens ob dem H. Glauben bis ans Ende, durch die Drey Alter des Lebens J. C. Nach den Dreyen Principien Göttlichen Wesens, mit derselben Ein- und Ausgeburt durch Sophiam in der Menschheit, welche Gott derselben in diesem Alter der Zeit von neuem vermählet hat, und gute und böse Menschen, kluge und thörichte Jungfrauen zu der großen Hochzeit des Lamms eingeladen, auf daß eine jede Seele, wie verdorben sie auch immer sey, sich mit diesem lieblichen Evangelio erwecken, [150] und ihren Willen mit Gottes Willen vereinigen möge zu solcher göttlichen Eheligung... usw...) wurde von seinem Schüler Gottfried Arnold (1701-1708) und von Johann Wilhelm Überfeld (Leiden 1722) publiziert. Es enthält auch Korrespondenzen und wurde zusammen mit seiner Biographie herausgegeben.

Literatur

  1. Googlebook : Theosophia practica PDF
  2. Theosophia practica - Regensburg, Staatliche Bibliothek
  3. Theosophia practica ; Freiburg, Edition Imago Solis / Aurum Verlag, 1979, ISBN 359108106x
  4. Theosophia Practica : Die Verwandlung des mikrokosmischen Menschen bis zu seiner Wiedergeburt nach Seele, Geist und Körper von J. G. Graber , J. G. Gichtel; ISBN-10:3-9523616-0-7 , 2011
  5. Gichtel : Of the three principles and worlds in man, 1736
  6. Eine kurze Eröffnung und Anweisung der dreyen Principien und Welten im Menschen, Gichtel, 1696
  7. Googlebook : Nachricht von Gichtels Lebenslauf
  8. Encyclopædia Britannica 11 ed. Vol. 12 (Gichtel, Johann Georg to Harmonium) (1911)
  9. Bücher von Gichtel im Katalog der deutschen Nationalbibliothek
  10. Joh. Gustav Reinbecks Nachricht von Gichtels Lebens-Lauf und Lehren, da jener aus seinen eigenen Brieffen zusammen gezogen ist, diese aber nach der Heiligen Schrifft geprüfet worden, vormahls in denen so genanndten Berlinischen Heb-Opfern heraus gegeben, nun aber aus bewegenden Ursachen besonders wieder abgedrucket. Berlin: Rüdiger, 1732

Weblinks