Buch vom Fayum

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Das Buch vom Faiyum ist eine ägyptische lokale Monographie, die die mittelägyptische Faiyum - Religion und ihre Schutzgottheit, den Krokodilgott Sobek, feiert.

Der Text ist auch aus mehreren Quellen aus dem ptolemäischen und römischen Ägypten bekannt. Das Werk ist auf mehr als 30 Papyri in hieroglyphischer, hieratischer und demotischer Schrift überliefert und teilweise reich illustriert.Der Boulaq-Hood-Amherst-Papyrus ist die bekannteste Version des Textes, da er für seine exquisiten Illustrationen und seinen guten Erhaltungszustand bekannt ist.

Sobek aus dem Faiyum

Inhalt

Das Buch wurde auch generisch als priesterliches Handbuch einer Tempel-Schriftensammlung eingestuft.

Unter den Hinweisen auf frühere ägyptische Lehren ist eine Übersicht über die grundlegende Reise des Sonnengottes Re enthalten. Es wurde angenommen, dass Re im Laufe eines Tages alt wird und sich dann in der Nacht verjüngt, damit er bei Sonnenaufgang wiedergeboren werden kann.
Dieses Thema wird ausführlich im Buch des Faiyum untersucht, da Sobek als Manifestation von Re dargestellt wird.
Abweichend von den Traditionen des Neuen Reiches endet die Reise von Sobek-Re jedoch nicht mit seinem Abstieg in die Nachwelt, sondern vielmehr mit dem See Moeris in der Oase Faiyum. Sobek-Re unternimmt seine nächtliche Reise durch den See und nicht durch die Unterwelt.

Das Buch enthält auch Hinweise auf verschiedene ägyptische Schöpfungsmythen. Der Ogdoad - Mythos von Hermopolis wird im Buch des Faiyum mit Zeichnungen der acht frosch- und schlangenköpfigen Urgottheiten veranschaulicht.
Nut, die Himmelsgöttin, wird in ihrer Himmelsgestalt als Kuh gezeigt. Sie wird vom Sonnengott aufgehalten, genauso wie Shu, der Luftgott, sie im heliopolitischen Mythos hochhält.

Karte des Faiyum

Der Text funktionierte auch als mythologisierte Karte des Faiyum, da es umfangreiche Listen von Gottheiten enthält, die direkt mit ihren Kultorten verbunden sind.
Die im Text erwähnten Faiyum-spezifischen Orte und die kosmischen Orte, auf die im Text verwiesen wird, sind häufig mit kodierter Ikonographie dargestellt.

Die Wasserstraße, welche den Nil und das Faiyum, den Bahr Yusuf, verbindet, wird in Form der Göttin Mehet-Weret, der großen Flut, dargestellt. Dann wird das überflutete Land um den See dargestellt, gefolgt vom See.
Sobeks Kultzentrum Shedyet, das die Griechen Krocodilopolis nannten, ist das nächste. Dann wird ein weniger bedeutendes Kultzentrum, Ro-sehwy, gezeigt. Danach wird das Kultzentrum von Sobeks göttlicher Mutter Neith dargestellt.
Eine Darstellung der Götter und Kräfte des Urzeitalters stellt das Faiyum als ein Zentrum von kosmischer Bedeutung dar, bevor der Text mit einer weiteren Darstellung des zentralen Sees des Faiyum, des Moeris-Sees, endet.

Literatur

  • Horst Beinlich, Regine Schulz, Alfried Wieczorek, Egypt’s Mysterious Book of the Faiyum, Dettelbach 2013
  • Horst Beinlich: Der Mythos in seiner Landschaft: das ägyptische Buch vom Fayum, Bd. 1: Die hieroglyphischen Texte, Textband, Tafelband, Dettelbach 2013, ISBN 978-3-89754-394-2
  • Tait, John. “The ‘Book of the Fayum’: Mystery in a Known Landscape.” In Mysterious Lands, edited by David O’Connor and Stephen Quirke, 183 – 202. Portland: Cavendish Publishing, 2003.

Weblinks