Yogaschlaf

Aus Spiritwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Yoga Nidra(Sans.:yoganidrā ), der Yogaschlaf, ist eine Art Schlaf-Meditationstechnik aus der tantrischen Tradition. Eine ähnliche umfassendere Technik wird auch im tibetischen Buddhismus praktiziert. Das Shiva Sutra sagt : Tiefschlaf ist Maya.

Der Mensch hat neben dem Wachzustand und dem Entspannungszustand noch die unbewusstenZustände des Träumens und des Tiefschlafs, die jeweils von bestimmten Gehirnwellen begleitet sind. Auch während des Yoga-Nidra ändert sich die Gehirnaktivität [1].

Nach Messungen an fortgeschrittenen buddhistischen Mönchen sind aber die höheren Gammawellen[2] ein Zeichen von spiritueller Aktivität.

Yoga

Im Yoga werden vier Bewusstseinsstufen beschrieben : Jagrat oder Wachen, swapna oder Träumen, sushupti oder traumloser Schlaf und Turiya oder schlafloser Schlaf. Eignetlich sind es aber sogar sieben Stufen(saptabhūmikā). Wer den Schlaf überwunden hat wird auch als Gudakeshi bezeichnet.

Diese 4 Bewusstseinsstufen werden beherrscht von den vier vyuha's oder manifestierten Kräften oder Formen von Vishnu oder Para-Vasudeva.

Yoganidra(Sans. yoganidrā) wurde von dem 2009 verstorbenen Swami Satyananda Saraswati, dem Begründer der Bihar Scool of Yoga in Munger (Indien), aus der tantrischen Tradition entwickelt. Yoga-Nidra[3] ist im Gegensatz zum abgeleiteten Nidra Nidra keine direkte Schlafübung sondern mehr eine Entspannungsübung, die leicht an das autogene Training erinnert. Die Übung hat zudem positive gesundheitliche Wirkungen.

Traditionell wird Yoga-Nidra in einer etwas vertrackten Asanastellung mit angezogenen Beinen ausgeführt, es kann aber auch in der Shavasana ausgeführt werden.

Abfolge :

  • 1. Vorbereitung: Shavasana(die Totenhaltung), Körper- und Atemwahrnehmung, Entspannung durch Achtsamkeit auf Körper, Atem und Geräusche
  • 2. Sankalpa ist ein Sanskritwort und bedeutet einen kurzen positiver Leitsatz, der in das eigene Unterbewusstsein abgelegt wird.
  • 3. Kreisen der Wahrnehmung durch den Körper. Diese Praktik erhöht den Fluss pranischer Energie und bewirkt Entspannung und Erleichterung sowie eine Trennung des Bewusstseins von der sensomotorischen Wahrnehmung mit folglicher Tiefentspannung.
  • 4. Wachrufen von verschiedener gegensätzlicher Empfindungen. Gegensätzliche Gefühle werden in schnellem Wechsel an die Oberfläche geholt.
  • 5. Visualisation: Durch das aufrufen schneller Wiederholungen von Bilderfolgen kommen alte Einprägungen an die Oberfläche und werden noch einmal erlebt.
  • 6. Dreimalige Wiederholung des Sankalpa (Vorsatz; Entschluss) zur Vertiefung und Beendigung
  • 7. Systematische Rückführung in die äußere Welt

Swami Satyananda Saraswati zählt 9 Stufen auf :

  1. Voreinstellung des Körpers
  2. Vorläufige Entspannung des ganzen Körpers
  3. Vorbereitende Entspannung des Geistes
  4. Sankalpa oder Entschluss, eine kurze einfache Aussage über das individuelle Ziel
  5. Rotation des Bewusstseins durch alle Teile des Körpers, extern und intern
  6. Bewusstsein des Gefühls
  7. Visualisation
  8. Reflexion und Bewusstsein von Symbolen und psychischen Zentren
  9. Rückkehr in das äussere Bewusstsein

Budddhismus

Traum-Yoga(Jangwa, Gyurwa, Pelwa; Milam) ist eine in Tibet seit alter Zeit bekannte Praxis, durch die es einem geübten Praktizierenden möglich ist, sich während des Träumens des Umstands des Träumens bewusst zu bleiben. Sie ist auch ein Teil der sechs Yogas von Naropa. Er erlebt die Trauminhalte bewusst und luzid. Dabei kann er die flüchtige und irreale Natur der Träume beobachten und auf die Geschehnisse seiner Träume Einfluss nehmen (bis er als Erleuchteter keine Träume mehr hat und völlig bewusst ist). Evans-Wentz beschrieb die Tradition in Tibetan Yoga and Secret Doctrines (London: Oxford University Press, 1935)
Der Mahasiddha Tilopa übermittelte diese Praxis-Linie an Lawapa.

Buddhistische Yogaschlafanweisung

Drei Erfordernisse werden traditionell als notwendig erachtet:

  1. Die Ermächtigung (Einweihung) (Tibetan: wang)
  2. Das Lesen des Praxistextes durch einen authorisierten Lama(Tibetan: lung)
  3. Anleitung in der Praxis bzw. den Ritualen (Tibetan: tri)

Der tibetische Traumyoga (milam) verwendet keine Asanas. Hier werden vor dem Einschlafen z.B. Visualisationen eines leuchtenden Buddhas mitverwendet, der auf dem Bauch sitzt ( ein Fünfstern genügt für Anfänger ). Eine Visualisation des weissen Buchstabens A mit Farbringen sowie der Silbe AH ist gebräuchlich. Die fortgeschrittenen Übungen können komplex sein, und daher ist milam-Traumyoga eine fortgeschrittene Übung der 6 Yogas des Naropa. Traum und Schlaf gehören hier zu den sog. Bardos(Tibetan: mi-lam bardo).
Im Bön ist Seljé Dö Drelma[4] die Dakini des Schlafes, die in der Traumyogapraxis angerufen wird im Ma Gyu (Muttertantra).

Klartraum

Der Klartraum, auch luzider Traum (von lat. lux, lūcis : Licht), ist eine Traumart, bei der der Träumer sich bewusst ist, dass er träumt. Der deutsche Klartraumforscher Paul Tholey formulierte es folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluß handeln kann. Bei dieser Definition stützte Tholey sich auf die Philosophin Celia Green und den Psychologen Charles Tart. Ein anderer diesbezüglicher Pionier ist der amerikanische Psychologe Stephen LaBerge. Man kann erlernen, Klarträume zu erleben und diese Form des Träumens herbeizuführen. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von gr. oneiros „Traum“ und nautēs „Seefahrer“).

Neurologie

Während im Tiefschlaf sog. Alphawellen auftreten, wurden beim luciden Träumen Gamma-Wellen gemessen. Sie betreffen den Bereich über 30 Herz und treten bei starker Konzentration, Lernprozessen und verschiedenen Meditationen auf. Sie wurden z.B. bei fortgeschrittenen Mönchen im Vajrayana und während der Vipassana-Meditation mit über 30-fach erhöhten Amplituden festgestellt[5].

Nach einem Forscherteam um Dr. Ursula Voss von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Vitos Waldkrankenhaus Köppern und Walter Paulus vom Universitätsklinikum Göttingen, die aktuell im Fachjournal "Nature Neuroscience" (10.1038/nn.3719) berichten, sind unsere normalen Träume deshalb so unkontrollierbar, weil im Traumzustand der kontrollierende Verstand ausgeschaltet ist. Diesbezüglich wurden erfolgreich mittels äußerlicher Elektroden Gammawellen in das Gehirn durch den Schädelknochen übertragen. Die schwachen elektrischen Impulse in verschiedenen Frequenzen zwischen 2 und 100 Hertz führten bei Frequenzen von 25 und 40 Hertz bei mehreren Versuchspersonen zu Klarträumen.

Literatur

  • Yoga Nidra - Der Schlaf der Yogis - Körper,Geist und Seele entspannen durch Visualisierung, Ingrid Ramm-Bonwitt von Schirner Verlag, 2010
  • Yoga Nidra, Swami Satyananda Saraswati, ISBN-13: 978-8185787121 ISBN-10: 8185787123
  • Lucas Wilkmann: Yoga Nidra - Nidra Nidra; ausZeit Verlag, Dürrholz 2010, ISBN 978-3-942009-90-4.
  • Praxis des Traum-Yoga. Die Reise zum inneren Meister, Radha Swami Sivananda, ISBN-10:

3-89767-502-5. ISBN-13: 978-3-89767-502-5

  • Erleuchtung im Schlaf - Die tibetische Kunst des Traum-Yoga, Econ, 2003
  • The Tibetan Yogas of Dream and Sleep, Snow Lion Publications, 1998
  • Namkhai Norbu: Traum-Yoga - Träume bewußt lenken - der tibetische Weg zu Klarheit und Selbsterkenntnis. O.W.Barth-Verlag, 1998, ISBN 3-502-62481-X
  • Khandro of the Practice of Dream Yoga from the Bon Buddhist Mother Tantra: Gyuma Chenmo
  • Khandro of the Practice of Sleep Yoga from the Bon Buddhist Mother Tantra: Seljé Dö Drelma
  • Mönche, Magier und Schamanen: Die geheimen Praktiken der spirituellen Meister Tibets von J.H. Brennan und Jochen Lehner,Lotos, 2006

Referenzen

Weblinks