Shangqing

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Shangqing (Shanqing Pai  : 'höchste Reinheit‘, höchste Klarheit) ist eine daoistische Schule, die gegen Ende des 4. Jahrhunderts in China der westlichen Jin - Dynastie auftrat und heute zu den kleineren Schulen zählt. Der Hauptsitz dieser Schule ist der Berg Mao Shan in der Nähe von Nanjing, der auch heute noch daoistische Klöster beherbergt. Die Schule wird dementsprechend auch Maoshan-Schule genannt. Da sie viele Mitglieder der Oberschicht hatte, wurde sie während der Tang Dynastie die dominierende Schule.

Die Shangqing-Schule war die erste daoistische Schule, die sich als gegliedertes und kohärentes Ganzes auf kanonische Texte gründete und strengen Vorschriften der Überlieferung gehorchte. Ihre Basis waren Schriften, die nach der Überlieferung Yang Xi in den Jahren zwischen 364 und 370 von Göttern und Geistern offenbart wurden.

Tao Hong Jing

Der erste Leiter der Schule war eine Frau, Wei Huacun (251-334), die nach der Überlieferung durch ihre Hingabe an die Dao-Kultivierung eine Anzahl von Unsterblichen so sehr beeindruckte, dass sie Offenbarungen von 31 Bänden erhielt, die zum Fundament der Schule wurden. Sie gilt auch als Authorin des Huang Ting Jing.
Später strukturierte Tao Hongjing(456-536) die Theorie und Praxis, der wesentlich zur Entwicklung der Schule beitrug. Er zeichnete ein Pantheon unter Führung der 'Drei Reinen'(Sānqīng) und veröffentlichte einige Meditationsmethoden. Sein Kanon enthält aber hauptsächlich Informationen über die Götter, die im Körper leben.
Während seiner Zeit am Mao Shan veröffentlichte er auch das Bencao jing jizhu (Gesammelte Kommentare zur Canonical Pharmacopoeia), ein Kommentar zu den frühesten bekannten chinesischen Pharmakopöen, dem Shennong Bencao (Canonical Pharmacopoeia des göttlichen Ehemanns ) mit 365 Drogen, die er um weitere 365 ergänzte.

Der wichtigste Text ist das Dadong zhenjing(wahrhafter Klassiker der großen Höhle - bzw. Tiefe)[1]. Es enthält Visualisations-Rituale( 存思 Cunsi ) und Visualisationen des vitalen Atems( 氣 Qi ) der fünf Richtungen und Planeten. Der Text wird von den Adepten rezitiert, was die Unsterblichkeit gewährleisten soll und die Alchemie des früheren Daoismus überflüssig machen sollte.

Praktiken

Die Techniken der Shangqing-Schule lassen sich sich bis zu den ekstatischen Flügen der Schamanen der Zhou-Zeit zurückverfolgen, die in den Chuci beschrieben werden.

Diese Schule praktizierte Techniken der visuellen Meditation und Atemtechniken. Die Talismane und die alten Techniken, wie sie beispielsweise von Ge Hong vertreten wurden, traten bei ihr in den Hintergrund.

Die Götter erscheinen in dieser Schule nicht wie bei den Himmelsmeistern als Wesen, die durch magische Formeln bezwungen werden können, sondern als Fürsprecher und Vermittler von Wissen, die den Adepten die Schlüssel zu den himmlischen Reichen überbringen. Dementsprechend brachte das Shangqing erstmals echte Hymnen an Gottheiten hervor.

Die praktizierte visionäre daoistische Mystik oder geistige Imagination dominierte, während die älteren Techniken des Daoismus wie physische Übungen, Anwendung von Drogen und Heilkräutern oder operative Alchemie(Neidan, Waidan) in den Hintergrund traten.

Im Shangqing versuchte der Praktizierende sich mittels Imaginationsmethoden zu vergöttlichen und zu kosmisieren, damit sein mikrokosmisches Wesen ein Abbild des Makrokosmos wurde und er somit das Dao verwirklichte. Das Ziel des Shangqing besteht darin, die Vielheit des menschlichen Geistes und Körpers in Harmonie zu bringen und damit zur ursprünglichen Einheit zurückzukehren.

Der Adept nimmt teil an der Welt der Götter und sucht Paradiese auf. Er gelangt zu den Weltenbergen, bereist die Gestirne und visualisiert die Körpergottheiten. Er absorbiert das Qi der neun uranfänglichen Himmel und Ähnliches mehr. Derartige imaginative Reisen lassen sich nur mittels Führern, Karten, Talismanen und der Kenntnis geheimer Namen der Götter und der zu durchschreitenden Pforten durchführen.

Literatur

  • Thomas Jülch: Der Orden des Sima Chengzhen und des Wang Ziqiao. Untersuchungen zur Geschichte des Shangqing-Daoismus in den Tiantai-Bergen. Utz, München, 2011, ISBN 978-3-8316-4083-6
  • The Encyclopedia of Taoism - Reproduced from: Isabelle Robinet, "Shangqing - In The Encyclopedia of Taoism, vol. 2, pp. 858-66

Edited by Fabrizio Pregadio, Routledge, 2008

Referenzen

Weblinks