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Rama-Purva-Tapaniya Upanishad

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Die Rama-Purva-Tapaniya - Upanishad oder Râmatâpanîya-Upanishad wird von Deussen als zum Atharvaveda gehörige Vishnu - Upanishade eingestuft. Sie ist der erste Teil des Ramatapantya.

Inhalt

Die Râmatâpanîya-Upanishad ist, wie Titel, Form und Ausführung beweisen, nach dem Vorbilde der Nṛisiṅhatâpanîya-Upanishad, wenn nicht ursprünglich komponiert, so doch hinterher bearbeitet worden, namentlich, sofern man auch für sie zwei Teile, einen früheren, elementaren (pûrvâ) und einen späteren, höheren (uttarâ) konstruierte.
Aber während die Nṛisiṅha-uttarâ ein in seiner Art originelles und höchst bedeutendes Werk ist, so besteht die Râma-uttarâ fast nur aus Entlehnungen, welche zur Râma-pûrvâ zumeist keine nähere Beziehung zeigen und derselben wohl nur angeschlossen wurden, um das Ganze nach dem Modell der Nṛisiṅha-Upanishad zu gestalten.

Hingegen ist die Râmapûrvâ in viel höherem Grade als die Nṛisiṅha-pûrvâ ein für sich vollständiges Ganze, in welchem an die Stelle des Nṛisiṅha die mehr konkrete Inkarnation des Vishṇu als Râma tritt; im übrigen läuft, wie dort so auch hier, alles auf die kunstgerechte Herstellung eines (wohl als Amulett zu tragenden) Diagrammes (yantram) hinaus, welches, entsprechend der späteren Zeit, um vieles gekünstelter als das Nṛisiṅhap. 5 geschilderte ist, so dass, namentlich bei der Unbestimmtheit mancher Angaben, eine sichere Rekonstruktion desselben wohl kaum möglich sein dürfte. Alles übrige, was die Upanishad vorher (v. 1-57) und nachher (v. 85-94) noch enthält, und so namentlich auch die bildlichen Schilderungen des Râma und seiner Umgebung (v. 23-28 und 48-57) haben nur den Zweck, auf das Diagramm vorzubereiten und dessen Bedeutung ins Licht zu setzen, teilweise auch dessen Konstruktion zu motivieren. –

Hiernach unterscheiden wir an dem Ganzen drei Hauptteile:

I. Vorbereitendes (V. 1-57)

v. 1-6. Etymologien des Namens Râma.

v. 7-10. Râma ist eine Inkarnation des Brahman.

v. 11-13. Vorläufige Ankündigung des Spruchkönigs Râm Râmâya namaḥ und des Diagrammes, dessen wichtigsten Bestandteil er bilden soll.

[802] v. 14-23. Der Spruchkönig Râm Râmâya namaḥ. Sein Keim (Râm) schliesst in sich die ganze Welt, da er die Prakṛiti (Sîtâ) und den Purusha (Râma) befasst (v. 15-18).
Die übrigen Worte (Râmâya namaḥ) bedeuten die Grundlehre des Vedânta, die Einheit der individuellen und höchsten Seele (v. 19). Wert des Spruchkönigs und Auftragung desselben auf der Brust (v. 20-23). Diese Auftragung des Spruchkönigs auf der Brust ist natürlich von der später beschriebenen Eintragung desselben in die 32 Speichen des Diagrammes (v. 69) zu unterscheiden. Im übrigen aber ist festzuhalten, dass es sich im folgenden (v. 23-58) noch nicht um irgendeine graphische Darstellung, sondern nur um die würdige Vorbereitung zu derselben handelt.
Zu diesem Zwecke stellt sich der Dichter zunächst vor, wie Râma mit Sîtâ und Lakshmaṇa sitzt, wie die Götter den Râma verehren, wie die Ṛishi's seine Taten preisen, und endlich wie er, nach vollbrachten Heldentaten, von seinen Getreuen umgeben, auf dem Throne sitzt. Es ist daher ungenau und für die ganze Auffassung irreführend, wenn Weber zu v. 23 (S. 293) hier »Angaben über die Gestalt und die Umgebung, in welcher Râma behufs des Diagrammes darzustellen ist« findet. Nicht um Darstellungen handelt es sich dabei, sondern nur um ideelle Vorstellungen von Râma's Gestalt, Umgebung und Heldentaten, zum Zwecke seiner Verehrung, wie dies auch Weber's Scholiast S. 293 (vgl. hingegen das zu v. 52, unten S. 812 Bemerkte) zu bestätigen scheint: »um das zur Verehrung verwendete Diagramm zu beschreiben (nirûpayitum), ergeht sich der Dichter [vorher] in 341/2 Versen (v. 23-57) über des zu verehrenden Râma Gestalt, Umgebung, Preis und Geschichte«. Dementsprechend sind die Schlussworte (v. 58) nicht mit Weber zu übersetzen: »So ist in kurzem (das Diagramm) angegeben. Nun (folgt) dessen nähere Beschreibung«, sondern vielmehr: »dies ist behufs der Unterweisung (uddeçataḥ) gesagt. Nun folgt die Anweisung (nirdeças) zu jenem (schon v. 13 angekündigten Diagramm)«.
Näher betrachtet, gliedert sich dieser vorbereitende Abschnitt in folgende Teile:

v. 23-29. Der Dichter stellt sich den Râma vor (wie er auf so vielen Bildwerken dargestellt wird) mit Sîtâ auf dem Schosse und Lakshmaṇa daneben stehend. Wie diese Figuren ein Dreieck bilden, so denkt man sich auch »Ausklang (namaḥ), Name (Râm) und Dativ (Râmâya)« des Spruchkönigs als Dreieck.

v. 29-47. Weiter schildert der Dichter, wie die Götter dem Râma nahen, um ihn zu preisen (v. 29-34), und die Weisen, um seine Heldentaten zu besingen, wobei die Hauptereignisse des Râmâyaṇam kurz rekapituliert wer den (v. 35-47).

v. 48-57. Im Anschlusse hieran stellt sich der Dichter vor, wie Râma auf dem Throne sitzt, im Sechseck (als Vorbild des Sechseckes des später folgenden Diagrammes) von den sechs Haupthelden umgeben, um welche sich die Götter und Weisen scharen. Wenn diese ganze, dem Dichter vorschwebende Gruppe weder mit dem vorher geschilderten Dreieck (Râma, Sîtâ, Lakshmaṇa) noch (wie auch Weber zu v. 60 bemerkt) mit den Dispositionen des später (v. 58 fg). beschriebenen Diagrammes in Einklang zu bringen ist, so ist dies eben daraus zu erklären, dass es sich in dem ganzen[803] Abschnitte bis v. 57 nicht um graphische Darstellungen, sondern nur um wechselnde, der Phantasie des Dichters vorschwebende Bilder handelt, welche, wie auch die historischen Digressionen, nur dazu dienen, die Verehrung des Râma zu fördern und dadurch die Bedeutung des nun folgenden Diagrammes ins Licht zu setzen.

II. Die Konstruktion des Diagrammes (v. 58-84)

Die Gestalt desselben ist, verglichen mit dem der Nṛisiṅhapûrvâ (oben S. 773), ziemlich kompliziert, doch einfacher, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Man muss nur festhalten, dass sämtliche Figuren konzentrisch zu zeichnen sind, und dass von den v. 62 erwähnten drei Kreisen der erste dem Sechseck eingeschrieben, der zweite umschrieben, diesem sodann das Achteck und diesem der dritte Kreis umschrieben wird (shaṭkoṇasya upari ekam vṛittam, madhye ca ekam, patra-agre ca ekam, Nârâyaṇa in der Calc. Ausg. p. 331,6).

Hiernach wäre die Figur wie folgt zu konstruieren: In der Mitte das Sechseck mit eingeschriebenem Kreise; dem Sechseck wird ein zweiter Kreis umschrieben, diesem ein Achteck, diesem ein Kreis, diesem nochmals ein Achteck, diesem ein Kreis, diesem ein Zwölfeck, diesem ein Kreis, diesem ein Sechzehneck, diesem ein Kreis, diesem ein Zweiunddreissigeck, diesem ein Kreis, diesem endlich ein Quadrat. Ersetzt man nun ausserhalb des Sechsecks sämtliche gerade Linien, welche von der Peripherie der innern Kreise zu der der äussern laufen, durch zirkumflexartig geschwungene Linien, so erhält man, umeinanderliegend, zwei achtblättrige, eine zwölfblättrige, eine sechzehnblättrige und so wohl auch, als das grosse Rad, eine zweiunddreissigblättrige Lotosblume; die Spitzen der Blätter liegen auf dem umschriebenen Kreise, die Staubfäden sind nach der Seite des eingeschriebenen Kreises zu denken. Auf den Staubfäden und Spitzen, mitunter auch zwischen den letzteren, findet dann die Eintragung der Buchstaben, Silben und Namen statt, wie sie der Text vorschreibt. Auf der äussersten, 32 blättrigen Lotosblume wird der Mantrarâja aufgetragen, dessen Keim (Râm) schon den Kern des Ganzen bildete.
Unter dem Mantrarâja ist somit wohl schwerlich die Nṛisiṅhaformel, noch auch der Mâlâmantra zu verstehen, sondern der schon vorher V. 16-19 gefeierte Spruchkönig Râm Râmâya namaḥ, welcher mit vorhergehendem und nachfolgendem Om, viermal aufgetragen, die 32 Flächen ausfüllen mochte. (Auch S. 772 bildete der Mantrarâja den äussersten Kreis).

Anhangsweise wird v. 74-80 der auf der innern achtblättrigen Lotosblume aufzutragende Mâlâmantra mittels eines geheimen, die Silben durch Wörter ersetzenden Alphabets gelehrt.

III. Epilog (V. 85-94)

V. 85-91. Der Dichter fordert dazu auf, nach geziemender Vorbereitung den Râma zu verehren und herbeizurufen dadurch, dass man ihn vorstellt, wie er auf seinem, von mancherlei Wesenheiten getragenen und umgebenen Throne sitzt, wobei allerlei Elemente der frühern und spätern[804] Mythologie, der Göttermythen und Heldensagen, die Âtmanformen des Vedânta und die Guṇa's und Bhâva's der Sânkhyalehre nebeneinander herlaufen.

V. 92-94. Zum Schlusse zollt der Dichter dem Râma seine Verehrung und verheisst denen, welche ihn gebührend verehren und die gegenwärtige Upanishad studieren, die Erlösung, (Paul Deussen) - s.u. Zeno.org

Literatur