Jainismus

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parsparograho jivanam: Seelen helfen einander

Der Jainismus oder Jinismus (Sans. Jaina, Anhänger des Jina) entstand etwa im 6ten Jahrhundert v. Chr. beruft sich aber auf eine uralte Tradition von 24 Tirthankara(Wegbereiter). Der Jainismus hat in Indien heute etwa 4 Millionen Anhänger.

Das höchste Gebot ist für die Jainas - und zwar allen Lebewesen gegenüber - ist “Ahimsa”, das Nichtverletzen allen Wesen gegenüber. Daher sind alle Jainas strenge Vegetarier.

Mahaviras Nirvana aus dem Kalpasutra

Der 24. Tirthankara Vardhamana Mahavira begründete das anschaulich: “Genauso wie ich Leid und Furcht empfinde, wenn ich bedroht, geschlagen oder getötet werde - ebenso empfinden alle höheren und niederen Lebewesen Leid und Furcht, wenn sie bedroht, geschlagen oder getötet werden, schon wenn ihnen auch nur ein Haar ausgerissen wird. Hatman das erkannt, so steht es fest, dass weder ein höheres noch ein niederes Wesen bedroht, geschlagen oder getötet werden darf.”

Mahavratas

Die Jain-Mönche nehmen die 5 Gebote (Mahavratas) auf sich:

  1. Ahimsa (Ablassen von Töten und Verletzen von Lebewesen),
  2. Satya (Verzicht auf nicht wahrheitsgemäße Rede),
  3. Asteya (sich nicht an fremdem Eigentum vergreifen),
  4. Brahma (brahmacharya) , keine unkeuschen Beziehungen eingehen)
  5. Aparigraha (nur lebensnotwendige Güter besitzen)

Jainismus predigt Freundschaft mit allen Lebewesen. Die Jaina-Philosophie betont ausdrücklich, dass alles in dieser Welt besteht aus Seelen besteht. Daher sollte die Menschheit bestrebt sein nicht zu verletzen oder auszunutzen. Gewalt gegen Mitmenschen oder andere Lebewesen wird als Gewalt gegen sich selbst angesehen.

Das erste Jain Gebot Ahimsa , Nichtgewalt, gilt für alle Formen der Lebewesen. Die Freundschaft zwischen allen Menschen und allen Lebewesen ist der echte Reichtum unseres Planeten.

Die 14 Gunasthanas oder spirituellen Stufen der Seele

Geschichte des Jain-dharma

'Jain' bedeutet Anhänger der Jinas, spirituell siegreiche Propheten mit Allwissen, auch Tirthankaras (Wegbereiter) genannt. Sie zeigen anderen den Weg zur Befreiung vom Zyklus von Geburt und Tod. Es gibt 24 Tirthankaras in dem gegenwärtigen kosmischen Zeitzyklus.

  • Der 24. Tirthankara Vardhamana, bekannt als Mahavira(der große Held), wurde im indischen Staat Bihar ca. 600 vor Christus in einer adeligen Familie geboren. Mit 30 Jahren verließ er sein Haus und beschritt den geistigen Pfad.

Er verbrachte sein Leben 12 Jahre in den Wäldern als Mönch und erlangte Allwissen (Kaivalya Jnana).

11 Schüler bzw. Ganadharas vermittelten sein Wissen anderen Mitmenschen. Mahavira predigte 30 Jahre. In seiner Anhängerschaft befanden sich ca. 50000 Mönche und Nonnen und eine halbe Million Laien. Als Mahavira 72 Jahre alt wurde, erlangte er Nirvana, den Zustand der Glückseligkeit jenseits von Geburt und Tod.

Mahavira war nicht der Gründer der Jain Religion. Er verdeutlichte die Lehre der vorherigen Tirthankaras, insbesondere Parshva, des 23.Tirthankara, der 250 Jahre vor Mahavira lebte. Heute leben ca 7 Millionen Jainas in Indien, 50000 in Großbritannien und 50000 in den vereinigten Staaten. Die beiden Hauptsekten sind Svetambara und Digambara.

Dhundhia JainMönch

Der Jain-Pfad

Die spirituelle Selbstverwirklichung ist durch die 'drei Juwelen', rechte Erkenntnis, rechtes Wissen und rechte Lebensweise möglich.

  1. Rechte Erkenntnis bedeutet das Verständnis von Jiva (Seele) und Ajiva( Materie, Raum, Zeit und Prinzipien von Bewegung und Stillstand), von deren Wechselbeziehung durch Karma sowie der Notwendigkeit der Befreiung der Seele aus der Materie.
  2. Rechtes Wissen bedeutet ausführliches Wissen über die Natur von Jiva, Ajiva, Karma und die Praxis der rechten Lebensweise auf der Basis rechter Erkenntnis.
  3. Rechte Lebensweise letzlich ist die Anwendung von rechter Erkenntnis und von rechtem Wissen im täglichen Leben. Dabei steht Ahimsa(Nichtgewalt oder Gewaltlosigkeit) im Mittelpunkt.
Jain pindāstha Meditation

Die Meditationspraxis kennt vier Stufen

  1. Artta - Dhyana (traurige Konzentration)
  2. Raudra - Dhyana (gerechte Konzentration)
  3. Dharma - Dhyana (Dharma-Konzentration)
  4. Shukla - Dhyana (reine Konzentration)

Da eine 100%ge Gewaltlosigkeit nur für die Mönche und Nonnen in den letzten Phasen ihres Lebens möglich, wird für das tägliche Leben eine stufenweise Praxis empfohlen. Die Gebote(Vratas) sind Gebote für den Normalbürger(Anuvratas) und Mahavratas für die Mönche. Diese haben sich in eine nördliche(Shvetambaras, die Weißgekleideten) und eine südliche Richtung(Digambaras, nackt, die 'Luftgewandeten') aufgespalten. Alle Jainas sind daher strenge Vegetarier. Weitere Vratas wie Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Verzicht auf außereheliche Beziehungen und Beschränkung des Besitzes ergeben sich aus dem Ahimsa.

Kosmologie

Die Jaina-Kosmologie beinhaltet den Glauben an einen kosmischen Menschen[1] in dessen Zentrum die Menschen leben.

Eine Seite aus dem Kalpasutra

Referenzen

Schriften

Der Jain-Kanon beinhaltet 60 Texte, 12 Purvas, 12 Angas(Glieder) und Angabahya-Texte. Daneben existieren eine Reihe von Erläuterungsbüchern in Sanskrit und Prakrit. Das Tattvartha - Sutra ist eine sehr wichtige Sanskrit-Schrift über die Jain - Philosophie.

Literatur

Weblinks