Culika Upanishad

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Die Cûlikâ - Upanishad gehört nach Deussen zum Atharvaveda. Sie gibt eine Zusammenfassung der Yoga-Themen dieses Veda.

Inhalt

Cûlikâ (von cûlâ, cûḍâ »die Spitze«) ist nach dem Eingangsvers des Kommentars »der spitzige Aufsatz auf einer Säule«. – Die Säule (so dürfen wir dies vielleicht deuten) wäre etwa die Sâmkhyaphilosophie, und ihre Spitze der Theismus des Yoga, in welchen unser Autor dieselbe auslaufen lässt.
Zunächst steht er auf dem Boden der Sâmkhyalehre, doch nicht sowohl derjenigen, die wir aus der Kârikâ und den Sûtra's kennen, sondern einer älteren Form, wie sie z.B. Maitr. 5 (vgl. unsere Einleitung dort, oben S. 328) erscheint, die noch nicht den Purusha der Prakṛiti schroff gegenüberstellt, sondern denselben aus dem Sattvam sich entwickeln lässt.
Ähnlich erklärt unser Autor den Purusha als »im Sattvam weilend« (v. 2) und schildert ihn als denjenigen, welcher mit der Prakṛiti die Welt zeugt, dann aber als Knäblein an ihrer Brust trinkt und nur in diesem Zustande beobachtet werden kann (açakyaḥ so 'nyathâ drashṭum).

Unter den zahllosen Seelen-Knäblein, welche so die Sinnendinge trinken, ist eine Seele, welche sie als Gott (der îçvara des theistischen Yogasystems) frei geniesst, welcher als die süsse Beere essend von den Snâtaka's und ihren Adhvaryu's beim Opfer angeschaut wird (nach Ṛigv. 1,164,20. 22), in Wahrheit aber völlig tatenlos, udâsîna ist (v. 8). Ihm gelten, ausser dem Opfer der Adhvaryu's, auch alle Çastra's der Bahvṛica's und alle sieben Stoma's der Chandoga's (v. 9), besonders aber feiert ihn Samhitâ und Brâhmaṇam des Atharvaveda als Brahman in den Geheimlehren der Mantra's »unter einer Reihe von Bezeichnungen« (pada-krama-samanvitam, v. 10). Diese Reihe wird dann v. 11-13 vorgeführt;

Das Brahman erscheint als:

  1. bṛahmacârin Atharvav. 11,5 (Gesch. d. Phil. I, 277-282);
  2. vrâtya, umherschwärmender Asket, Atharvav. 15;
  3. skambha, Stütze, Atharvav. 10,7. 8 (Gesch. d. Phil. I, 310-324);
  4. palita, der »altersgraue«, Atharvav. 9,9.10 (Ṛigv. 1,164; Gesch. d. Phil. I, 105-119);
  5. [637] anaḍvân, Ochse, Atharvav. 4,11 (Gesch. d. Phil. I, 231-233);
  6. rohita, der rote, aufgestiegene (Sonnengott), Atharvav. 13,1. 2. 3 (Gesch. d. Phil. I, 212-230);
  7. ucchishṭa, der Rest, Atharvav. 11,7 (Gesch. d. Phil. I, 305-310);
  8. kâla, die Zeit, Atharvav. 19,53. 54 (Gesch. d. Phil. I, 210-212);
  9. prâṇa, der Lebenshauch, Atharvav. 11,4 (Gesch. d. Phil. I, 301-305);
  10. bhagavân âtmâ, der hehre Âtman, Atharvav. 10,8,44 (Gesch. d. Phil. I, 324);
  11. purusha Atharvav. 19,6 (Ṛigv. 10,90; Gesch. d. Phil. I, 150-158),
  12. Çarva, Bhava, Rudra Atharvav. 11,2;
  13. Îçvara und zugleich Purusha Atharvav. 19,6,4;
  14. Prajâpati Atharvav. 4,2 und öfter (vgl. jedoch Gesch. d. Phil. I, 189-190);
  15. Virâj Atharvav. 8,9. 10;
  16. Pṛiçni (so statt Pârshṇi zu lesen) Atharvav. 2,1 (Gesch. d. Phil. I, 253);
  17. Salilam, Urwasser, Atharvav. 8,9,1.

Ihn wissen die Atharvan's als das Haupt (vielleicht mit Beziehung auf Atharvav. 10,2,26-27. 10,8,9), während manche ihn als sechsundzwanzigsten (den Îçvara des Yoga neben den 25 Prinzipien des Sânkhyam) oder siebenundzwanzigsten (wohl mit Unterscheidung des Cittam von Buddhi, Aha kâra, Manas, wie oben S. 623, Anm). oder als den verehren, welcher die 24 im Avyaktam verborgenen Prinzipien zum Vyaktam macht (v. 14-15). Aber er ist auch einer, zwei, drei, fünf usw., wie v. 15 (mit deutlichem Hinweis auf Chând. 7,26,2) versichert, er ist Ursprung und Untergang der Wesen (v. 16-19). Wer ihn (exoterisch) als Lebensprinzip verkündet, erlangt unerschöpfliche Nahrung für sich und die Väter, wer ihn (esoterisch) erkennt, sei er Brahmane oder nicht, der geht in ihm zur ewigen Ruhe ein (v. 20-21).

Die Upanishad dürfte ihre Stelle haben in der Zeit, wo aus der noch nicht systematisch abgeschlossenen Sâmkhyalehre der theistische Yoga sich herausbildete, und würde, wenn diese Auffassung sich bewährt, als Zeugnis jenes Übergangs von besonderm Werte sein.(Paul Deussen)

Literatur