Chymische Hochzeit

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Die Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459 ist ein Johann Valentin Andreae zugeschriebener Text, der zwischen 1603 und 1605 entstand. 1616 erschien der Text in Straßburg bei Lazare Zetzner erstmals im Druck, nachdem er schon längere Zeit im Umlauf war.

Chymische Hochzeit Einladung

Der Name 'Chymische Hochzeit' legt nahe, dass es sich um eine Initiationsgeschichte der spirituellen Alchemie mit rosenkreuzerischem Hintergrund handelt, d.h. um die sieben großen Einweihungen bis zur Stufe 22 des universellen Pfades, daher auch der Spruch : Halt Wacht, Dich selbst betracht, Wirst dich nit fleissig baden, Die Hochzeit kan dir schaden.
Schad hat, wer hie verzeücht, Hüet sich, wer ist zu Leicht.

In den Manifesten ist auch zu lesen : Wir sprechen zu euch in Parabeln, aber wir wollten euch zur richtigen, einfachen, leichten und genialen Darstellung, zum Verständnis, zur Erklärung und Erkenntnis aller Geheimnisse bringen.

Inhaltsüberblick

Die chymische Hochzeit spielt sich an sieben Tagen und sieben Nächten ab.

1. Tag

Der Held der Chymischen Hochzeit ist eine Person namens Christian Rosencreutz. Er wird in seinem Häuschen am Berg in tiefer Meditation von einer Jungfrau im blauen Kleid mit goldenen Sternen (s.a Tarotkarte 14) und einer Posaune zur Hochzeit des Königs eingeladen(U.L. 14.2 : Venusphase; Das Haus am Berg steht für den Logos oder Nada).
Die Jungfrau übergibt Christian Rosencreutz einen Einladungsbrief. Auf dem Brief ist das Zeichen des Kreuzes zu sehen (d.h. erste bzw. und materielle Einweihung) und der Spruch: In diesem Zeichen wirst du siegen('In hoc signo vinces').

2. Tag

Am anderen Morgen rüstet Christian Rosencreutz sich zur Hochzeitsfeier. Er zieht einen weißen Leinenrock an, umgürtet seine Lenden mit einem blutroten Band kreuzweise über die Schultern gebunden und steckt auf seinen Hut vier rote Rosen. Er gelangt durch den Wald auf eine große Heide, wo drei große Zedern stehen. Er findet eine Hinweistafel mit dem Satz Deus Lux solis. Auf einer anderen Tafel wird der Weg zur Hochzeit beschrieben. Es gibt aber vier Wege:

  1. Der erste Weg ist kurz und gefährlich.
  2. Der zweite ist länger und leicht zu finden. Man muß sich aber darauf wie von einem Magneten ziehen lassen.
  3. Der dritte Weg ist der Königsweg, den nur einer von 1000 beschreiten kann.
  4. Der vierte Weg ist für keinen Sterblichen bestimmt.

Die Tafel enthält eine Warnung, umzukehren, wenn man gegen die Gesetze des Königs verstoße. Christian Rosencreutz rastet und beginnt zu essen. Er gibt einer weißen Taube etwas von seiner Speise ab, wobei ihr ein schwarzer Rabe zuvorkommt. Christian Rosencreutz eilt dem Raben nach(15.3) und gelangt so auf den zweiten Weg, den Mittelweg der möglichen drei Wege. So bleiben ihm Salz und Wasser auf dem Weg. Schließlich kommt er (15.5) an einen Berg und muß drei Portale durchschreiten: (16.1)

  1. Am ersten Portal begegnet er einem Wächter im himmelblauem Kleid und sieht eine Tafel mit der Inschrift: Hinweg von hier, hinweg Uneingeweihte!(Procul hinc propter ite prophanes). Er muß seinen Einladungsbrief vorzeigen und nennt seinen vollen Namen. Dann muß er beim Türhüter ein Zeichen kaufen und tauscht sein Fläschlein mit Wasser gegen ein goldenes Zeichen, auf dem die zwei Buchstaben SC zu lesen sind und außerdem ein versiegeltes Brieflein für den zweiten Türhüter.
  2. Bei diesem liegt ein wilder Löwe(der alchemische 'rote Löwe'). Hier erhält er gegen das Salz ein Zeichen 'SM'.
  3. (18.1) An der dritten Pforte wird er mit den Worten empfangen: "Congratulor - ich begückwünsche dich" und "Condoleo - ich leide mit dir". Er nennt seinen Namen und erhält ein Gastzeichen, auf dem die Buchstaben 'SPN' stehen. Da es inzwischen Abend geworden war(18.2:Saturn), wird ihm mit Fackeln geleuchtet.

Im Schloß angekommen wird ihm eine Tonsur geschnitten. In einem Saal trifft er auf die anderen Hochzeitsgäste. Das Abendessen verläuft mit viel Prahlereien. Schließlich verkündet ein Jungfrau mit einem schneeweißen Kleid, daß der König nicht mehr fern sei und daß alle hier Anwesenden schon lange auf diesen Moment vorbereitet wurden. Es wird dann eine Prüfung mit einer Waage angekündigt. Christian Rosencreutz läßt sich mit neun anderen Gästen mit Stricken binden, um so die morgige Prüfung bestehen zu können.

3. Tag

Am dritten Tag stehen die Waage und der Prozeß des Wiegens im Zentrum des Geschehens. Es werden sieben Gewichte gebracht, die auf der einen Waagschale Platz finden. Die Teilnehmer werden in sieben Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe wird einem Gewicht zugeordnet. Die zu Wiegenden müssen schwer genug sein, um die Gewichte auszuhalten(18.5 - ähnlich wie Kurukshetra). Christian Rosencreutz besteht die Prüfung des Wiegens als Achter. Dabei ruft ein Knabe bei der Waage aus 'Der ists'! Christian Rosencreutz darf dann einen besonderen Platz an der Festtafel einnehmen. All diejenigen, die die Waageprüfung bestanden haben, erhalten das goldene Vlies mit einem fliegenden Löwen verliehen.

4. Tag

Christian Rosencreutz verschläft das Frühstück. Er wird zu einem Brunnen geführt, an dem sich ein Löwe mit einer Tafel befindet, die dem Hermes Trismegistos gewidmet ist. Dem Spruch folgend waschen sich alle am Brunnen und nehmen aus einem goldenen Kelch einen Trunk. Dann folgen sie der Jungfrau wieder in den Saal und legen neue goldgewirkte und mit Blumen verzierte Gewänder an. Jeder erhält ein neues Goldenes Vlies, über und über mit Edelsteinen besetzt, an dem ein schweres Stück Gold hängt, auf dem Sonne und Mond einander gegenüberstehend abgebildet sind. Auf der Rückseite findet sich der Spruch: 'Des Mondes Schein wird sein wie der Sonnen Schein und der Sonnen Schein wird siebenmal heller sein denn jetzt.'
Alle waschen sich im Brunnen und die Versammlung wird über 365 Stufen in einen Raum geführt, in dem sie das Königspaar vermuten. Der Vorhang wird aufgezogen und sie sehen drei Stühle, die kreisförmig angeordnet sind.

  1. Auf dem ersten Stuhl sitzt ein alter König mit grauem Bart und einer jungen und schönen Gemahlin.
  2. Auf dem zweiten Stuhl sitzen zwei junge Menschen mit Lorbeerkränzen und einer Krone über ihren Häuptern (s.a. : Tarotkarte 19)
  3. Auf dem dritten Stuhl sitzt ein schwarzer König mittleren Alters mit einem feinen, alten Mütterlein mit Schleier.

Vor der Königin steht ein Altar mit einem schwarzbesamteten Buch, einem elfenbeinenen Leuchter, einer Sphära oder Himmelskugel, einer Uhr, einem Brunnen mit blutrotem Wasser und einem Totenkopf mit weißer Schlange. Es findet ein Mahl mit schlüpfrig-scherzhaften Gesprächen und anschließendem Tanz statt. Eine Komödie in sieben Akten mit fünf Zwischenspielen wird angekündigt.
In der Pause zwischen einem der Akte läßt man einen Löwen und einen Adler kämpfen: Der Löwe siegt.
Nach dem Abendessen wird ein Buch gebracht. Jeder muß sich dem König verschreiben und den Schweigetrunk nehmen. Ein Glöcklein läutet, und die nun ganz in Schwarz gekleideten Paare werden nach und nach enthauptet. Es werden sechs Särge hereingebracht. Ein schwarzer Mann mit einem Beil schlägt ihnen allen die Köpfe ab. Das Blut wird in einem Pokal aufgesammelt. Auch der schwarze Mann wird enthauptet.
Die Jungfrau spricht zu ihnen: Dieser Leben stehet nun in eurer Hand, und wenn ihr mir folgt, soll ein solcher Tod viel mehr lebendigmachen. Sie gehen schlafen. Christian Rosencreutz sieht zufällig sieben Schiffe übers Wasser fahren, und über jedem Schiff schwebt eine Flamme, der Geist des Enthaupteten. Die sechs Särge und ein Kästlein werden auf die Schiffe verteilt und die sechs Flammen fahren mit den Schiffen über den See. Damit endet der vierte Tag.

5. Tag

Am fünften Tag entdeckt Christian Rosencreutz das Grab der Venus. Er öffnet eine eiserne Tür mit kupferfarbenen Buchstaben und kommt in ein Gewölbe ohne natürliches Licht. Das Grab ist dreieckig und hat in der Mitte einen polierten kupfernen Kessel, der von drei Tieren getragen wurde, einem Adler, einem Ochsen und einem Löwen. Eine kupferne Tür am Boden führt zu Frau Venus, die nackt im Himmelbett liegt.
Der sehr ehrwürdige alte Christian Rosencreutz lüftet den Schleier des Himmel-Bettes und betrachtet die bloße Frau Venus('lüftet den Schleier der Maya' und sieht die reine göttliche Natur). Hinter dem Bett steht auf einer Tafel folgendes: Wenn die Frucht meines Baums wird vollends verschmelzen, werde ich aufwachen und die Mutter eines Königs sein.
Dann hält die Jungfrau eine kurze Ansprache und nimmt allen Gästen das Versprechen ab, mit allen Kräften daran zu arbeiten, die soeben begrabenen Personen wieder zum Leben zu erwecken. Dazu müsse man sich zum Olympischen Turm begeben, um von dort die notwendige Arznei zu holen.
Wieder zurück bei den anderen werden diese und die Särge auf Schiffen übers Meer zu einer Insel zum Turm Olymp gebracht. Die Schiffe sind Planeten zugeordnet. Christian Rosencreutz fährt auf einem Schiff mit, das den Globus auf seiner Fahne hat.
Der Turm liegt auf einer viereckigen Insel, die 360 Schritte Durchmesser hat. Es sind sieben runde Türme zusammengebaut worden. Alle werden in den Turm geführt. Um Mitternacht sieht Christian Rosencreutz zufällig sieben Flammen auf die Spitze des Turms zufahren.

6. Tag

Am nächsten Tag müssen sie an alchemistischen Operationen teilnehmen, die durch einen Greis und eine Frau geführt werden. Sie müssen dabei auf sehr sonderbare Weise von Stockwerk zu Stockwerk hinaufsteigen. Christian Rosencreutz bekommt dazu durch das Los eine Leiter. Unter dem Vorwand, dass sie faule und träge Laboranten seien, werden Christian Rosenkreutz und drei seiner Begleiter von den anderen abgesondert und heimlich in den siebenten Stock geleitet. Tatsächlich sind sie dazu berufen, das große Werk zu vollenden. Oben empfängt sie der alte Mann bei einem kleinen Öfchen. Nach etwa einer halben Stunde stellt sich der mutwillige Cupido wieder ein und neckt die hinter dem Vorhang Schlafenden solange, bis sie ganz verwundert erwachten, denn sie vermeinten, dass sie von der Stunde ihrer Enthauptung bis jetzt geschlafen hätten.

7. Tag

Am Morgen des siebenten Tages erhalten alle gelbe Kutten und legen ihr Goldenes Vließ an, und die Jungfrau verkündet ihnen, dass sie zu Rittern vom Goldenen Stein geschlagen werden sollen. Der Alte aber überreicht jedem einen goldenen Stein, auf dessen Vorderseite zu lesen war: AR. NAT. MI. (Ars Naturae Ministra = Die Kunst ist die Dienerin der Natur) Auf der Rückseite stand: TEM. NA. F. (Temporis Natura Filia = Die Natur ist die Tochter der Zeit) Auf zwölf Schiffen kehrt man nun zum Schloss zurück. Danach werden alle zu einer kleinen Kapelle geführt, wo Christian Rosenkreutz Gott zu Ehren sein Goldenes Vließ und seinen Hut aufhängt und zum ewigen Gedächtnis dalässt.

Am Ende des Textes findet sich ein Hinweis auf zwei fehlende Text-Blättchen.

  • Die 7 Tage beschreiben die 7 großen Einweihungen ab Stufe 14.2 des universellen Pfades. Die beiden fehlenden Blättchen können als ein Hinweis auf die beiden fehlenden Stufen 23 und 24 bis zum Paramshiva gedeutet werden.

Literatur

Weblinks