Chassidismus

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Der Chassidismus (hebräisch חסידים chassidim ‚die Frommen‘) ist ein Sammelbegriff für verschiedene voneinander unabhängige Bewegungen im Judentum.

Diesen Bewegungen war die strenge Einhaltung religiöser Regeln, der hohe moralische Anspruch sowie eine besondere Empfindung der Gottesnähe gemeinsam, die häufig eine mystische Ausprägung gefunden hat.

Modell des salomonischen Tempels

Dabei werden unterschieden:

  1. der Chassidismus aus der Zeit des Zweiten Tempels(515 v. Chr. bis 70 n. Chr.)
  2. der Chassidismus des deutschen Mittelalters und
  3. der osteuropäische Chassidismus seit dem 18. Jahrhundert, der heute weltweit verbreitet ist.
  • Im 13. Jahrhundert entwickelte sich eine mystische Richtung mit Vertretern wie Judah ibn Malka (in Marokko) sowie Obadja ibn Abraham (in Ägypten), ein Enkel von Maimonides.

Der Chassidismus des Mittelalters

Mit dem Hintergrund der für das Judentum bedrohlichen Kreuzzüge entwickelte sich der deutsche Chassidismus parallel zur Entstehung der christlichen Mystik zwischen 1150 bis 1250 vor allem im Rheinland und in der Pfalz (Speyer, Worms und Mainz). Hier waren insbesondere die Angehörigen der aus Italien eingewanderten Familie der Kalonymiden beherrschend:

  1. Samuel der Chassid (Speyer)
  2. Juda der Chassid (Sohn von Samuel, Regensburg)
  3. Eleasar ben Juda (Worms)
  4. Schlomo ben Jakob (Regensburg)
Titelblatt des Toldos Yaakov Yosef

Osteuropäischer Chassidismus

Der ursprünglich osteuropäische Chassidismus hat mit dem deutschen Chassidismus des Mittelalters nur wenig mehr als den Namen gemeinsam. Der osteuropäische Chassidismus hatte allerdings ein weitaus größere Bedeutung.

Daneben gewann die mystische Tradition der Kabbala erheblichen Einfluss. Über das Studium der Thora hinaus steht im Chassidismus das persönliche und gemeinschaftliche religiöse Erlebnis an vorderster Stelle, das sich insbesondere im Gebet als spiritueller Übung äußert.

Der Legende nach soll Israel ben Elieser (um 1700–1760), genannt Baal Schem Tov („Meister des guten Namens“), der Begründer des osteuropäischen Chassidismus gewesen sein.

Nach dem Tod des 'Bescht' publizierte Jakob Josef Kohen von Polnoy/Polonoye (Ukraine, gest. 1782) etwa zwanzig Jahre nach dem Tod des "Bescht" mit dem "Sefer Toledot Jakob Josef" die erste theoretische Schrift des Chassidismus.

Im Gegensatz dazu übernahm Dov Ber von Meseritz (1710–1773, 'der große Maggid') die Führung der Bewegung, indem er einen Kreis von Schülern um sich sammelte, die als seine Sendlinge (schelikhim) die weit verstreuten Anhänger zu betreuen hatten.

Ein bekannter Vertreter war auch Rabbi Nachman von Brazlaw (auch von Breslow). Die bekanntesten Rabbiner wurden von Chajim Bloch in seiner Sammlung Chassidische Geschichten beschrieben.

Der osteuropäische Chassidismus wurde allerdings durch die Judenverfolgungen der Nazis praktisch ausgerottet und etablierte sich wieder in Israel und in den USA.

Literatur

Weblinks