Bardo (Yoga)

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Bardo(zwischen zwei, was dazwischen liegt; Sansk. antarbhāva) ist ein Zwischenzustand zwischen Wiedergeburt und Tod. Während Zwischenzustände von vielen buddhistischen Schulen akzeptiert wurden, wurden sie vom Mahāsāṃghika, vom Vibhajyavāda und vom Theravāda abgelehnt.
Naropas Sechs Yogas ordnen jedem der sechs Bardos eine Praxis zu :

  1. Tummo ▹ Shinay-Bardo (jāti-antarābhava)
  2. Milam ▹ Milam-Bardo (svapnāntarābhava)
  3. Ösel ▹ Samten-Bardo (samādhi-antarābhava)
  4. Phowa ▹ Tschikhai-Bardo (mumūrṣāntarābhava)
  5. Bardo ▹ Tschönyi-Bardo (dharmatāntarābhava)
  6. Gyulü ▹ Sipa-Bardo (bhavāntarābhava)

Das Tibetische Totenbuch enthält Beschreibungen des Tschikhai-Bardo, Tschönyi-Bardo und des Sidpa-Bardo.
Im Tibetischen Totenbuch (Bar-do Thos grol , Bardo Thödröl, Befreiung durch Hören im Zwischenzustand) des Padmasambhava werden die Zustände des Bardo beschrieben.

Zhi Kro

Das tibetische Totenbuch(tib. bar-do thos-grol) ist nur ein kleiner Teil des zhi-khro, der detaillert Visualisationen und Vollendungsstufen erklärt und auch Dzogchen - Lehren, threg-chod und thod-rgyal - Anweisungen enthält.
Die tibetischen Bardo Thödol Chenmo - Texte der Evans-Wentz’ Ausgabe entstammen ebenfalls dieser größeren Sammlung von Schriften, die auf das 14. Jahrhundert zurückgehen und in Tibet als Die Eigenbefreiung durch Meditation der zornvollen und der friedvollen Gottheiten (zhi khro dgongs pa rang grol : Der selbstbefreite Geist der friedvollen und schrecklichen) bekannt sind.

Dabei handelt es sich um einen Zyklus von sogenannten Schatztexten, die von Karma Lingpa (karma gling pa, 14. Jahrhundert) entdeckt wurden. Diese Terma-Texte stellen eine eigene Literaturgattung dar. Die Texte werden Padmasambhava zugeschrieben, der sie während der ersten Phase der Verbreitung des Buddhismus versteckt habe, damit sie zu einem späteren Zeitpunkt von einem geeigneten Schatzentdecker (Tertön ; gter ston) gefunden würden[1]

Einteilungen

Die Einteilung in sechs Bardos[2] oder Zwischenzustände entstammt der Nyingma-Tradition, findet sich aber beispielsweise auch in Belehrungen, die Milarepa an die Dakini Tseringma gegeben haben soll.

Bardo Thodol Chenmo
  • Bardo dieses Lebens (Shinay-Bardo, Skt. jatyantarābhava; Tib. rangshyin kyewé bardo, Wyl. rang bzhin skye ba'i bar do) - Geburtsort
  • Bardo des Träumens (Milam Bardo; Skt. svapanāntarābhava; Wyl. rmi lam gyi bar do)
  • Bardo der Meditations-Ekstase (Samten-Bardo, Skt. samādhyantarābhava; Wyl. bsam gtan gyi bar do)
  • Bardo des Sterbens (Chikkhai Bardo, Skt. mumūrṣāntarābhava; Tib. chikha né chö kyi bardo, Wyl. 'chi kha gnad gcod kyi bar do) - beschreibt die physischen und psychischen Ereignisse im Sterbeprozess und im Moment des Todes. Er endet mit der Wahrnehmung des Klaren Lichts.
  • Bardo des Dharmata (Tschönyi-Bardo; Skt. dharmatāntarābhava; Tib. chö nyi ösal gyi bardo, Wyl. chos nyid 'od gsal gyi bar do) - Zustand des Erlebens der Wirklichkeit
  • Bardo des Werdens (Sipai-Bardo; Skt. bhāvāntarābhava; Tib. sipa lé kyi bardo, Wyl. srid pa las kyi bar do) ) - Moment der Wiederverkörperung
3 Stufen

Eine andere Einteilung ist die in 49 Tage mit 3 Stufen wie im Bardo Thödröl

  • Chikai Bardo ( hChi-kha Bar-do ) - Der Tschikhai-Bardo endet mit der Wahrnehmung des Klaren Lichts
  • Chonyid Bardo ( Chos-nidd Bar-do) - Visionen von verschiedenen Budhhaformen - endet mit einer Erscheinung der bisherigen Entwicklung des gesamten Universums und den potentiellen zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten
  • Sidpa Bardo (or Srid-pa'i Bar-do, Existenzbereiche) - persönliches Karma (Ursache und Wirkung), die Taten des Lebens werden rekapituliert. Die Abläufe beim Eintritt in einen der Sechs Daseinsbereiche der Wiedergeburt.

Bardo Thödröl

Das tibetische Totenbuch (Bardo Thödröl; shitro , zhitro) enthält Unterweisungen über den Prozess des Sterbens und der Wiedergeburt in sechs Zwischenzuständen und beschreibt die Möglichkeit, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Es beinhaltet die Vorstellung von Wiedergeburt, auch als ein anderes Lebewesen.
Die drei Zwischenzustände oder Bardos ( Wylie: bar do; antarbhāva) gliedern sich grob in[3] :

  • Der Moment vor dem Tod: Das Wesen des eigenen Geistes(sofern vorhanden!) strahlt in hellem Licht.
  • Die Essenz der höchsten Wirklichkeit: Die friedvollen und rasenden Gottheiten erscheinen als sich entfaltendes Mandala.
  • Der Zwischenzustand des Werdens: Das persönliche Karma (Ursache und Wirkung) und die Taten des Lebens werden durchlebt. Es erfolgt der Eintritt in einen der sechs Bereiche der Wiedergeburt.

Geheimlehre

Hinter den 42 friedvollen und 48(60) rasenden Gottheiten, die uns nach dieser Lehre im Bardo-Zustand der Wirklichkeit nach dem Tod begegnen, verbirgt sich ein komplettes tantrisches System mit vorbereitenden Übungen, Erzeugungsstufe und detaillierter Einführung in die Natur des Geistes nach dem Dzogchen - System der Nyingma - Schule.

Ziel ist es, diese aufeinander folgenden Phänomene und die Lichterscheinungen als Projektion des Egos zu durchschauen und zu überwinden und so den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen, um in das Nirvana einzutreten.
Letzteres ist eine Illusion, es sei denn es handele sich um einen Arhat, was dem Totenbuch die doppelte Bedeutung als Einweihungsbuch gibt. Es heisst dort nämlich auch :
Innerhalb dieser Strahlungen wird der natürliche Ton wie tausend Donner nachhallen. Der Ton wird mit einem rollenden Nachhall kommend gehört werden, und ehrfurchtgebietenden Mantras. Fürchte dich nicht. Fliehe nicht. Sei nicht erschrocken. Kenne sie als deine intellektuellen Fähigkeiten. [4]

Das ägyptische Totenbuch hat ähnliche esoterische Hintergründe. Es ist allerdings nicht so umfassend wie Naropas 6 Yogas.

Literatur

  • Sogyal Rinpoche, Das tibetische Buch vom Leben und Sterben, Knaur TB, ISBN - 978-3-426-87528-5
  • Spiegel der Bewußtheit, Tsele Natsok Rangdröl
  • Chökyi Nyima Rinpoche: Das Bardo-Buch. Ein Führer durch Leben, Tod und Wiedergeburt. Schirner Taschenbuch, 2008, ISBN 3-89767-618-4
  • Das tibetische Buch der Toten, Eva und Gesche Lobsang Dargye, ISBN 3-50265133-7
  • Stufen zur Unsterblichkeit, Lati Rinpoche / Jeffrey Hopkins, ISBN 3-424-00741-2
  • Das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben, Sogyal Rinpoche, ISBN 3-502-62580-8
  • DAS TIBETISCHE TOTENBUCH , GRAHAM COLEMANN UND THUPTEN JINPA, Arkana, München, 2008 (erste vollständige Ausgabe), ISBN 978-3-442-33774-3 / 3442337747
  • The Tibetan Book of the Dead: First Complete Translation (Penguin Classics Deluxe Edition), Graham Coleman, Thupten Jinpa, Gyurme Dorje, Penguin Classics, 2007, ISBN-10: 0143104942 / ISBN-13: 978-0143104940
  • Gyatso, Janet B. (1995): „Drawn from the Tibetan Treasury: The gTer ma Literature.“ In: Cabezon, Jose Ignacio und Roger Jackson (Hg.): Tibetan Literature: Studies in Genre. Ithaca, New York: Snow Lion Publications: 164-169.
  • Natural Liberation: Padmasambhava's Teachings on the Six Bardos, Padmasambhava - B. Alan Wallace - Gyatrul, Verlag Simon and Schuster, 2012, ISBN 0861717244, 9780861717248
  • Archive : zab chos zhi khro dgongs pa rang grol las bdag bskyed bsgom rim lhan skyes ye shes - Sprache : tibetisch

Referenzen

Weblinks